Sinfonische Blasmusik der Spitzenklasse

54 Bläser begeistern Gersthofer Zuhörer mit Opernklängen in der Stadthalle

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Von DIANA ZAPF-DENIZ

Zwei Dirigenten, ein Spitzenorchester: Die Süddeutsche Bläserphilharmonie zeigte, welche Vielfalt Blasmusik bietet. Was den Zuhörern in Gersthofen geboten wurde.

„Die Macht des Schicksals“ lag am Samstagabend in den Händen des Dirigenten Philipp Kufner. Zumindest während der Ouvertüre zu Giuseppe Verdis Oper „La forza del destino“. Denn damit eröffnete Kufner das Konzert mit der Süddeutschen Bläserphilharmonie in der Stadthalle Gersthofen. Warum das Publikum nicht allein bei diesem Stück Grund zur Begeisterung hatte.

Was für ein fulminanter Abend. Das sinfonische Blasorchester trat in großer Besetzung an. Allesamt edel in Schwarz gekleidet und die Dirigenten im Frack. Das Projektorchester des Allgäu-Schwäbischen Musikbundes stammt aus dem Bezirk 14 Aichach-Friedberg. Zusammengesetzt ist das Ensemble aus 54 professionellen wie erfahrenen Amateurmusikern und Musikerinnen. Mathias Stößlein (Altsaxofon) bat die rund 250 Gäste um Nachsicht, dass bei der Kartenvergabe nicht alles glattlief. Corona und eine Bestuhlung, die nur aus jeder zweiten Reihe bestand, warf das Ticketsystem aus der Bahn. So wurden die Platzkarten per Hand an der Abendkasse ausgestellt.

Doch das Warten hatte sich mehr als gelohnt. Eineinhalb Stunden spannende wie mitreißende musikalische Höhepunkte. Das Konzert wurde in zwei Hälften aufgeteilt, wovon Kufner den ersten Teil übernahm und Bernhard Willer den zweiten.

Verspielte Klänge der Süddeutschen Bläserphilharmonie
Nach Verdi ging es mit „Gazebo Dances“ des amerikanischen Komponisten John Corigliano weiter, das in die vier Sätze Overture, Waltz, Adagio und Tarantella aufgeteilt ist. Verspielte Klänge bis hin zur Sechsachtel-Rhythmik. Dazu ein Dirigent, der mit seinem Orchester selbst zu tanzen scheint. Einfühlsam und mit unglaublicher Ausdruckskraft und Präzision schwingt Kufner, der am Leopold-Mozart-Zentrum in Augsburg und an der Anton-Bruckner-Universität in Linz studierte und unter anderem bei Kent Nagano und Wayne Marshall hospitierte, seinen Taktstock. So auch zu „Four Scottish Dances“ von Malcolm Henry Arnold, der diesen Orchestersatz 1957 für das BBC Light Music Festival komponierte.

Freudige Gesichter nach eineinhalb Stunden musikalischer Höchstleistung – die Süddeutsche Bläserphilharmonie mit ihren Dirigenten Philipp Kufner (vorne rechts) und Bern‰hard Willer. Foto: Diana Zapf-Deniz

Bernhard Willer übernahm nach der Pause die musikalische Leitung. Der einstige Kapellmeister des Ludwig-Musicals und Dirigent des Münchner Rundfunkorchesters und der Bad Reichenhaller Philharmonie, der auch für ARD, ZDF und BR sowie diverse Filmproduktionen tätig war, taktete dramatisch und imposant mit Richard Wagners Ouvertüre zur Oper „Rienzi“ auf. Ein Hochgenuss an diesem zauberhaften Abend voller großartiger Klänge. Jeder Ton saß, und die Freude war den Musikern und Musikerinnen ins Gesicht geschrieben. Dabei hatten sie nur jeweils acht bis neun Stunden mit den Dirigenten, um diese Meisterstücke zu proben. Es folgten „Sélamlik“ von Florent Schmitt und „El Camino Real“ von Alfred Reed. Dieser Königsweg entführte musikalisch nach Spanien.

Country Gardens blühen in der Stadthalle Gersthofen
Eine Zugabe wurde lang applaudierend gefordert. Willer kündigte diese humorvoll an. „Es ist ein englisches Volkslied eines Australiers, dessen Erfolg ihm ein hübsches Häuschen in New York bescherte.“ Es handelte sich um Percy Aldrige Graingers Version des heiteren wie eingängigen Stückes „Country Gardens“. Grainger schien die Melodie einst gelangweilt zu haben, so dass er es umgestaltete und mit Absicht „falsche“ Noten setzte. „Passend zu Halloween werden die Trompeten Sie erschrecken“, warnte Willer das Publikum schelmisch vor. Da es so kurz war, diente es auch gleich als zweite Zugabe.

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